Was wir tun
Es ist 13.30. Lärmend kommen die Kinder aus der Mittagspause zurück in die Schule gerannt, wer ist als erster im Schulgebäude? Ein Teil der Kinder geht jetzt nach Hause, wo die Mama wartet, gegessen und bei den Hausaufgaben geholfen wird. Der andere Teil bleibt in der Schule, Vollzeitbetreuung nennt man das. Die Eltern arbeiten und/oder sind anderweitig gehindert, ihren Kindern bei den Hausaufgaben und der Gestaltung des Nachmittages zu helfen. Auf Wunsch der Lehrer kümmern wir uns jetzt um einzelne Kinder, die eine verstärkte Unterstützung brauchen und denen von Seiten der Schule nur wenig geholfen werden kann.
Wir sind keine Lehrer, die Schulzeiten unserer Kinder sind lange her, können wir das überhaupt?
Wir können! Kopfrechnen können wir neuerdings sogar sehr gut. Ach, was war nochmal das Präteritum? Einfache Vergangenheit, ah, ja, kein Mensch, außer er ist Schriftsteller, verwendet das.” Gestern duschte ich und wusch mir dabei die Haare… “ Wer redet denn so? Aber, unsere armen kleinen Freunde müssen das lernen, ohne Deutsch als Muttersprache gelernt zu haben.
Wir haben darum gebeten, nicht nur 45, sondern 90 Minuten Zeit zu haben, in 45 Minuten schaffen wir die Hausaufgaben nie. Zwischendurch wollen wir ja auch ein bisschen plaudern, auch das ist für die Kinder hilfreich. Wenn sie begeistert ein Erlebnis erzählen, ist ihr Wortschatz klein und wir hoffen, ihn durch unsere Korrekturen zu erweitern.
Die Kinder kommen gerne zu uns, es scheint ein Privileg für sie zu sein. Aber wir zweifeln, ob wir wirklich nützlich sind. Die Lehrer bejahen den Nutzen und zeigen uns ihre Dankbarkeit. Sie tun uns leid. Die Bildungskluft, die sie innerhalb einer Klasse zu bewältigen haben, ist unvorstellbar. Hier unser Enkelkind, gesegnet mit Bildung, Spielzeug, Reisen und Sport, dort das zwei Jahre ältere Kind, das die gleiche Klasse vielleicht nicht schafft, nicht mal Legos hat.
Wir tun, was wir können, die Kinder sind uns ans Herz gewachsen. Aber, Ehrgeiz ist hier falsch am Platz. Wir sind über jeden kleinen Fortschritt glücklich!
Ulrike und Hans Otto Wimmer